Rampage

Bill  Williamson (Brendan Fletcher) ist ein normaler junger Erwachsener, der sich mit Anfang 20 sein Geld als Mechaniker in einer Autowerkstatt verdient. Er lebt noch bei seinen Eltern (Matt Frewer, Lynda Boyd), die ihn vehement auffordern, doch endlich auszuziehen und sich an einem College zu bewerben. Doch was in Bill brodelt ahnt niemand, weder seine Eltern noch sein bester Kumpel Evan (Shaun Sipos). Globale Erwärmung, Welthunger, Überbevölkerung und maßloser Konsum: Bill hat die Schnauze voll. Genervt von seiner Umwelt plant er einen Rachefeldzug, um sich endlich an der Gesellschaft zu rächen. Bewaffnet mit Maschinenpistolen und Sprengstoff schaltet er zunächst die Polizeistation aus, bevor er an der Zivilbevölkerung Rache übt.

Uwe Boll ist wieder da. Der von vielen Kritikern als schlechtester Regisseur aller Zeiten belächelte Boll ist beschäftigt wie eh und je bringt in nächster Zeit gleich mehrere Projekte auf DVD heraus. Darunter ist neben Rampage auch der Film Darfur angekündigt, der sogar von Amnesty International gelobt wurde. Mit Rampage setzt uns der Hollywood-Regisseur aus dem deutschen Wermelskirchen nun jedoch erstmal einen kompromisslosen und gnadenlosen Actionfilm vor, der nur bedingt als Drama funktioniert. Rampage schockiert und legt das Thema Amoklauf auf einen neuen Messwert. Die Qualität dieses Filmes dürften selbst eingefleischte Kritiker nicht verneinen können.

Rampage geht einen anderen Weg als vergleichbare Amok-Thriller wie „Falling Down“. An die Stelle eines ausgeklügelten Psychospiels tritt beinharte und schonungslose Gewalt. Die Gründe für den Amoklauf werden in Fetzen in den Film eingestreut, in denen Bill mit der Kamera spricht und seine Motive erläutert. Rampage stellt das Thema Amoklauf damit auf den Kopf und bewegt sich vom klassischen Drama zu einem Actionfilm in B-Movie Optik hin, eingestreut mit fragmentarischer Gesellschaftskritik. Die Beweggründe des Hauptdarstellers bleiben im Grunde ziemlich offen. Genervt von seiner monotonen Arbeit und seinen Mitmenschen sieht der Zuschauer Bill bei seinen Vorbereitungen für den anstehenden Racheakt zu. Der Zuschauer wird unvermeidlich auf den großen Showdown vorbereitet. Dabei funktioniert Rampage ziemlich gut, er provoziert und zeigt viele Dinge, die in der Welt nicht stimmen. Als der Showdown beginnt, gibt es kein Erbarmen, weder bei Bill Williamson mit seinen Opfern, noch beim Zuschauer. Die eingesetzt Wackelkamera verleiht dem Geschehen eine unausweichliche Nähe und eine hohe Intensität. Zusätzlich gibt es einige einprägende Szenen, wie Bill z.B. in voller Montur ein Bingo-Kaffee betritt und von den Rentner noch nichtmal bemerkt wird. Das Ende ist überraschend und überzeugt.

Die deutsche Version des Filmes verfehlt jedoch aufgrund der Zensur ein Vielfaches ihrer Wirkung. Die FSK hat Bolls Werk nicht ungeschnitten freigeben und so wurde der Regisseur gezwungen, nicht nur in der Brutalität, sondern auch storytechnisch bei den aufgebrachten menschenverachtenden Motiven der Tat zu kürzen. Der deutschen Version fehlen fast 5 Minuten. Ebenso enthält die deutsche Version ein anderes Ende. Wollte Boll seine Figur Bill eigentlich ungestraft davonkommen lassen, so musste er für Deutschland umdisponieren. Ein deutschsprachiger Uncut-Release über Österreich ist jedoch ebenso wie bei Siegburg geplant.

Zusammenfassend kann man Boll wieder einiges vorwerfen, wofür seine Filme quasi stellvertretend stehen. Auch Rampage ist wieder ein schnell heruntergekurbelter Film, der vielmehr durch seine Bilder als durch irgendwelche psychologischen Hintergründe schocken soll. Dazu stoßen einige filmische Mängel. Rampage bleibt aber in seiner Wirkung trotz allem bestehen. Der Film macht genau das, wofür er da ist. Boll schlägt dem geneigten Zuschauer eiskalt ins Gesicht und serviert einen Actionfilm, der sich in seiner Botschaft und Gesellschaftskritik gewaschen hat. Unterm Strich ist Rampage ein Film, der das Genre bereichert.

Fazit: Regisseur Uwe Boll serviert uns eine interessante und schockierende Version eines Amoklaufs.

Daher:

Meine Wertung: 3,5/5

Rampage, Kanada/Deutschland 2009, Regie: Uwe Boll; mit: Brendan Fletcher, Matt Frewer, Lynda Boyd, Michael Pare

Trailer:

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