Archiv der Kategorie: Action

Centurion

Nach dem Horrorspektakel „The Descent“ und dem apokalyptischen „Doomsday“ wendet sich der britische Regisseur Neil Marshall mit „Centurion“ erstmals der Verfilmung eines historischen Stoffes zu. Dabei legte er wenig Wert auf die detailgetreue Wiedergabe der historischen Vorlage, sondern vielmehr auf seine filmische Freiheit. Die Geschichte dreht sich um die in Britannien stationierte 9. Legion des römischen Reiches. Die Römer befinden sich im Jahre 117 n.Chr. im Vormarsch durch ganz Europa, doch im Norden Britanniens erleben sie immer wieder Rückschläge durch den kampferprobten Stamm der Pikten. Durch schnelle, effektive Guerillaangriffen kann sich der keltische Stamm den römischen Invasoren erwehren. Der britischen Governors Agricola (Paul Freeman) schickt daraufhin die glorreiche 9. Legion unter Titus Flavius Virilius (Dominic West) in den Kampf, mit dem Auftrag Gorlacon (Ulrich Thomsen), den Anführer der Pikten, zu eliminieren und somit deren Kampfgeist zu brechen. Als Führerin durch das Gebiet der Pikten stellt Agricola die stumme Etain (Olga Kurylenko) an die Seite der 9. Legion. Diese verrät die Römer jedoch und lockt die Männer in einen Hinterhalt. In einer blutigen Schlacht überleben lediglich 7 Legionäre um Zenturio Quintus Dias (Michael Fassbender), Virilius wird entführt. Die dezimierte Truppe will ihren Anführer aus den Griffen der Barbaren befreien. Doch Etain ist ihnen stets dicht auf den Fersen und wird nicht eher ruhen, bis alle Römer tot sind.

Die genauen Geschehnisse über die wirklich existierende 9. Legion sind unbekannt. Genau werden wir diese Geschichte niemals kennen, Neil Marshall benutzt sie jedoch um einen Actionfilm im Historiengewand zu inszenieren. Begleitet von stimmungsvollen Aufnahmen des kalten, schottischen Hochlandes und einer ordentlichen Portion Blut, erzählt Marshall eine höchst spannende Geschichte aus der Sicht des namensgebenden Zenturio Quintus Dias. Zunächst gefangengenommen und verschleppt durch die Pikten, schließt er sich nach seiner Flucht der 9. Legion an und gerät direkt in den Bann des charismatischen Virilius. Die Schauspieler machen ihre Sache außerordentlich gut, Dominic West (bekannt aus „300“) wirkt in seiner Rolle fast maßgeschneidert und auch Olga Kurylenko überzeugt als schöner und stummer Racheengel der Pikten. Zimperlich geht der Regisseur mit seinen Darstellern in den Kampfszenen jedoch nicht um, ständig wird CGI-Blut eingesetzt und Körperteile fliegen nur so durch die Gegend. Im Endeffekt ist das aber nur eine Form, um die tatsächlich vorhandene Gewalt eines solchen Gemetzels entschieden darzustellen und nicht Hollywood-Schlachtenepen mit FSK 12 zu produzieren. Die deutsche Version ist glücklicherweise uncut und die deutsche Bluray-Veröffentlichung weißt zudem eine durchgehend hohe Bildqualität auf.

Neil Marshall legt auch mit „Centurion“ wieder einen handwerklich sehr gut gemachten Actionfilm vor. Der Film lebt neben seinen rohen Schlachten viel davon, dass die Story spannend und die Charaktere gut gezeichnet sind. Spätestens als der Rettungsversuch misslingt und die Römer tief hinter feindlichen Linien von der erbarmungslosen Etain gejagt werden, steigt der Spannungsbogen stetig an. Wir sind gespannt auf weitere Werke des britischen Regisseurs. „Centurion“ beweist Marshalls Talent, Actionfilme in jedem Gewand inszenieren zu können. Nach dem grandiosen Horror-Spektakel „The Descent“ und dem opulenten Endzeit-Actionfilm „Doomsday“ ist sein neuer Film wiedereinmal eine rundum spannende und gelungene Sache.

Fazit: Brachialer und spannender Actionfilm im historischen Gewand

Daher:

Meine Wertung: 4/5

Centurion, UK 2009, Regie: Neil Marshall, mit: Michael Fassbender, Dominic West, Olga Kurylenko, Noel Clarke, David Morrissey, JJ Feild; FSK 18

Trailer:


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Rampage

Bill  Williamson (Brendan Fletcher) ist ein normaler junger Erwachsener, der sich mit Anfang 20 sein Geld als Mechaniker in einer Autowerkstatt verdient. Er lebt noch bei seinen Eltern (Matt Frewer, Lynda Boyd), die ihn vehement auffordern, doch endlich auszuziehen und sich an einem College zu bewerben. Doch was in Bill brodelt ahnt niemand, weder seine Eltern noch sein bester Kumpel Evan (Shaun Sipos). Globale Erwärmung, Welthunger, Überbevölkerung und maßloser Konsum: Bill hat die Schnauze voll. Genervt von seiner Umwelt plant er einen Rachefeldzug, um sich endlich an der Gesellschaft zu rächen. Bewaffnet mit Maschinenpistolen und Sprengstoff schaltet er zunächst die Polizeistation aus, bevor er an der Zivilbevölkerung Rache übt.

Uwe Boll ist wieder da. Der von vielen Kritikern als schlechtester Regisseur aller Zeiten belächelte Boll ist beschäftigt wie eh und je bringt in nächster Zeit gleich mehrere Projekte auf DVD heraus. Darunter ist neben Rampage auch der Film Darfur angekündigt, der sogar von Amnesty International gelobt wurde. Mit Rampage setzt uns der Hollywood-Regisseur aus dem deutschen Wermelskirchen nun jedoch erstmal einen kompromisslosen und gnadenlosen Actionfilm vor, der nur bedingt als Drama funktioniert. Rampage schockiert und legt das Thema Amoklauf auf einen neuen Messwert. Die Qualität dieses Filmes dürften selbst eingefleischte Kritiker nicht verneinen können.

Rampage geht einen anderen Weg als vergleichbare Amok-Thriller wie „Falling Down“. An die Stelle eines ausgeklügelten Psychospiels tritt beinharte und schonungslose Gewalt. Die Gründe für den Amoklauf werden in Fetzen in den Film eingestreut, in denen Bill mit der Kamera spricht und seine Motive erläutert. Rampage stellt das Thema Amoklauf damit auf den Kopf und bewegt sich vom klassischen Drama zu einem Actionfilm in B-Movie Optik hin, eingestreut mit fragmentarischer Gesellschaftskritik. Die Beweggründe des Hauptdarstellers bleiben im Grunde ziemlich offen. Genervt von seiner monotonen Arbeit und seinen Mitmenschen sieht der Zuschauer Bill bei seinen Vorbereitungen für den anstehenden Racheakt zu. Der Zuschauer wird unvermeidlich auf den großen Showdown vorbereitet. Dabei funktioniert Rampage ziemlich gut, er provoziert und zeigt viele Dinge, die in der Welt nicht stimmen. Als der Showdown beginnt, gibt es kein Erbarmen, weder bei Bill Williamson mit seinen Opfern, noch beim Zuschauer. Die eingesetzt Wackelkamera verleiht dem Geschehen eine unausweichliche Nähe und eine hohe Intensität. Zusätzlich gibt es einige einprägende Szenen, wie Bill z.B. in voller Montur ein Bingo-Kaffee betritt und von den Rentner noch nichtmal bemerkt wird. Das Ende ist überraschend und überzeugt.

Die deutsche Version des Filmes verfehlt jedoch aufgrund der Zensur ein Vielfaches ihrer Wirkung. Die FSK hat Bolls Werk nicht ungeschnitten freigeben und so wurde der Regisseur gezwungen, nicht nur in der Brutalität, sondern auch storytechnisch bei den aufgebrachten menschenverachtenden Motiven der Tat zu kürzen. Der deutschen Version fehlen fast 5 Minuten. Ebenso enthält die deutsche Version ein anderes Ende. Wollte Boll seine Figur Bill eigentlich ungestraft davonkommen lassen, so musste er für Deutschland umdisponieren. Ein deutschsprachiger Uncut-Release über Österreich ist jedoch ebenso wie bei Siegburg geplant.

Zusammenfassend kann man Boll wieder einiges vorwerfen, wofür seine Filme quasi stellvertretend stehen. Auch Rampage ist wieder ein schnell heruntergekurbelter Film, der vielmehr durch seine Bilder als durch irgendwelche psychologischen Hintergründe schocken soll. Dazu stoßen einige filmische Mängel. Rampage bleibt aber in seiner Wirkung trotz allem bestehen. Der Film macht genau das, wofür er da ist. Boll schlägt dem geneigten Zuschauer eiskalt ins Gesicht und serviert einen Actionfilm, der sich in seiner Botschaft und Gesellschaftskritik gewaschen hat. Unterm Strich ist Rampage ein Film, der das Genre bereichert.

Fazit: Regisseur Uwe Boll serviert uns eine interessante und schockierende Version eines Amoklaufs.

Daher:

Meine Wertung: 3,5/5

Rampage, Kanada/Deutschland 2009, Regie: Uwe Boll; mit: Brendan Fletcher, Matt Frewer, Lynda Boyd, Michael Pare

Trailer:

Der blutige Pfad Gottes 2

Satte 10 Jahre sind vergangen seit uns Regiedebütant Troy Duffy mit „Der blutige Pfad Gottes“ einen echten Kultfilm bescherte, der sich auch heute noch einer großen Fangemeinde erfreut. Duffy schafft es in der Zwischenzeit nicht, einen weiteren Film zu realisieren und avancierte in Hollywoodkreisen bereits zur Lachnummer. Nun ist es endlich soweit, die insgesamt 2. Regiearbeit ist im Kasten. Mit diesem Sequel will Duffy wieder an die Erfolge der MacManus-Brüder anknüpfen.

Der Film spielt 8 Jahre nach der öffentlichen Exekutierung des Mafia-Bosses Yakavetta im Gerichtssaal am Ende des ersten Teiles. Die MacManus-Brüder (Sean Patrick Flanery, Norman Reedus) sind nach ihrem letzten Coup in ihrer Heimat Irland untergetaucht. Sie verdienen sich gemeinsam mit ihrem Vater als einfache Schafhirte ihre Brötchen und führen ein gottesfürchtiges Leben. Eines Tages jedoch gibt es schlechte Kunde aus Übersee. Ein bekannter Priester wurde ermordet, der Täter ließ es so aussehen, als wäre es eine Tat der Brüder. Die „Heiligen“ schwören Rache und machen sich schwer bewaffnet auf nach Boston, um die Verbrecher zur Strecke zu bringen. Geradewegs laufen sie in eine Falle der Mafia, die nur darauf wartet, die beiden Brüder endlich zur Strecke zu bringen. Inzwischen versucht die Polizei mit den Cops Dolly, Duffy und Greenly den Priestermord aufzuklären. Unterstützt werden sie von der sexy FBI-Agentin Eunice Bloom (Julie Benz). Boston erwartet die Ankunft der „Heiligen“, doch die Verbrecher sind dieses Jahr auf die beiden Brüder vorbereitet.

10 Jahre mussten die Fans auf den zweiten blutigen Rachefeldzug der MacManus-Brüder gegen das Verbrechen warten. Positiv ist hierbei auf jeden Fall, dass die Darsteller des ersten Teils größtenteils wieder mit dabei sind. Auch wenn besonders die MacManus-Brüder ziemlich in die Jahre gekommen sind und scheinbar mehr mit dem eigenen Gewicht zu kämpfen haben, als mit den Gegnern, kann man sich eine Fortsetzung ohne die zwei Brüder einfach nicht vorstellen. Weichen musste dafür jedoch Willem Dafoe, der im ersten Teil eine tragende Rolle spielte. Er macht Platz für Julie Benz (bekannt aus Dexter), die als sexy FBI-Agentin aber auch eine gute Figur abliefert. Storytechnisch gibt es ebenso nicht viel Neues. Die MacManus-Brüder räumen wieder die Verbrecher in Boston aus dem Weg. Dabei werden die Actionszenen wie im ersten Teil in einer Rückschau gezeigt. Die Polizei ermittelt am Tatort und nach und nach sieht der geneigte Zuschauer, was sich vorher wirklich abgespielt hat. Dieses Konzept kann vielleicht die ersten paar Minuten unterhalten, läuft sich aber ebenso schnell tot wie im ersten Teil. Besonders in diesen Szenen macht sich das Fehlen des genialen Willem Dafoe doch bemerkbar.

Ansonsten wird das bewährte Strickmuster geboten. Wenig Neuerungen, dafür kompromisslose und harte Aktion gepaart mit der Coolness der MacManus-Brüder und einer dauerhaft derben Wortwahl. Leider wirken die meisten Witze einfach nur stumpf und die Gespräche kommen nicht an den Unterhaltungswert des ersten Teils heran. Trotzdem gefällt der Film insgesamt mit seinem ironischen Unterton und einer Menge schwarzen Humor. Unterstützt werden die Brüder diesesmal vom Mexikaner Romeo (Clifton Collins Jr.), der insgesamt eher blass bleibt und besonders am Ende an den Nerven der Zuschauer zerrt, und vom Vater (Billy Connolly), dessen Kultstatus nicht bezweifelt werden kann.

Angehenden Moralpredigern dürften besonders die fragwürdigen Motive des Films in Erinnerung bleiben. Der blutige Pfad Gottes 2 ist ebenso wie der erste Teil ein Selbstjustizthriller. Religiöser Fanatismus richtet sich gegen das Verbrechen auf der Erde. Die beiden MacManus-Brüder werden als von Gott gesandt dargestellt, um das Unrecht mit Waffengewalt zu bekämpfen und schlechte Menschen zu liquidieren. Unterstützt wird dieses Vorhaben durch die Polizei in Boston und auch die Bevölkerung steht hinter den Brüdern. Diese fragwürdigen Aussagen stoßen bei der FSK sicherlich auf keine Jubelschreie. Dabei ist zu erwähnen, dass alleinig die SPIO-Fassung ungeschnitten ist.

Aufgewärmt ist manchmal besser als gar nix. Fans des ersten Teils erhalten endlich neues Futter für ihren DVD-Player. Duffy kurbelt die bewährte Story des ersten Teils runter, ohne neue Akzente zu setzen. Teil 2 kann leider nicht an den Kultstatus des ersten Teils anknüpfen. Trotzdem kann man dem Film den Unterhaltungswert nicht absprechen. Viel Action, kernige Sprüche machen aus „Der blutige Pfad Gottes 2“ insgesamt trotzdem einen guten Film.

Fazit: Kann nicht an Teil 1 anknüpfen, ist aber dank viel Action und Ironie ein interessantes und unterhaltsames Sequel.

Daher

Meine Wertung: 3,5 /5

Der blutige Pfad Gottes 2, USA 2009, Regie: Troy Duffy; mit: Sean Patrick Flanery, Norman Reedus, Billy Connolly, Julie Benz, Judd Nelson

Trailer: