Archiv der Kategorie: Horror

The House of the Devil

Studentin Samantha (Jocelin Donahue) will endlich aus dem Wohnheim ausziehen und hat bereits ihre Wunschwohnung gefunden. Um sich den Umzug leisten zu können sucht sie dringend einen Nebenjob. Am schwarzen Brett auf dem Campus findet sie ein Babysittergesuch und meldet sich bei dem mysteriösen Mr. Ulman (Tom Noonan). Trotz anfänglicher Skepsis nimmt sie das Angebot an und fährt gemeinsam mit ihrer Freundin Megan (Greta Gerwig) zu dem abgelegenen Haus der Ulmans. Schnell stellt sich heraus, dass die Ulmans kein Kind haben, Samantha soll stattdessen auf die Schwiegermutter aufpassen. Diese soll körperlich noch recht fit sein und sich selbst versorgen können, sodass Samantha nur im Notfall einschreiten müsste. Das Angebot von 400 Dollar für vier Stunden Aufsicht ist für den ersehnten Umzug sehr wichtig, sodass sie einwilligt. Als die Ulmans aufbrechen und auch Megan wegfährt bleibt Samantha zurück. Schnell merkt sie, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt, mysteriöse Geräusche beunruhigen die junge Studentin und von der älteren Damen fehlt jede Spur.

Regisseur Ti West dürfte den meisten Filmfans noch durch das grottenschlechte „Cabin Fever 2“ in schmerzvoller Erinnerung sein. In „The House of the Devil“ beweist uns der Regisseur jedoch, dass er durchaus Talent besitzt. Mit seinem neuen Film versetzt uns West tief in die Zeitperiode der 1980er. Anstatt sich den aktuellen Horrortrends anzupassen, serviert uns West eine Hommage an längst vergangene Gruselfilme. Angefangen von den Frisuren, über die musikalische Untermalung bis hin zum stilechten Walkman ist der Film auf Retro getrimmt. Die Schauspieler agieren in dieser Detailverliebtheit hervorragend. Besonders die Hauptdarstellerin Jocelin Donahue macht ihre Sache gut und erweckt Sympathien beim Zuschauer.

Die Story ist spannend erzählt, die Atmosphäre entwickelt sich langsam über die Distanz des Filmes. Wer einen Splatterfilm mit hohem Bodycount erwartet ist freilich fehl am Platz. Bis zur letzten Viertelstunde passiert reichlich wenig, der Film lebt bis dato von seiner Atmosphäre. Dies funktioniert erstaunlich gut. Knarrende Dielen und ein großes, alleinstehendes Haus sorgen für viel Spannung. Ti West hat ein Gespür dafür, wie er die Kamera einsetzen muss, um eine bedrohliche Atmosphäre kreieren zu können. Am Ende kommt es dann zum großen Showdown, bei dem auch ein Dämon nicht fehlen darf. In der letzten Viertelstunde wird alles abgerufen, was den damaligen Okkultfilm ausmachte. Das Finale ist dabei auch überraschend blutig.

„The House of the Devil“ ist ein erfreulich unmoderner Film und wird allein dadurch die Meinungen spalten. Den Einen wird die langsame Storyentwicklung missfallen, den Anderen auch die wenig originelle Story. Wer jedoch gerne ältere Grusel- und Okkultfilme schaut, der wird mit „The House of the Devil“ seine wahre Freude haben. Der Film ist ein spannender Horrortrip im Retrolook. Wer Ti Wests Hommage an den klassischen Horrorfilm wirklich genießen will, der sollte jedoch einen Bogen um die deutsche Synchronisation machen. Die wäre selbst für damalige Verhältnisse ziemlich mies. Der Originalton ist da deutlich besser. Ansonsten sollte man dem Film unbedingt eine Chance geben.

Fazit: Spannender Retro-Grusel

Daher

Meine Wertung: 3,5/5

The House of the Devil, USA 2009, Regisseur: Ti West; mit: Jocelin Donahue, Tom Noonan, Mary Woronov, Greta Gerwig; FSK 16

Trailer:


Advertisements

Antichrist

Das Pärchen (Charlotte Gainsbourg, Willem Dafoe) merkt beim gemeinsamen Geschlechtsakt nicht, wie ihr Kind auf die Fensterbank klettert und hinunterstürzt. Betroffen vom Tod des Kindes erleidet die Frau einen schweren Schock und bricht bei der Beerdigung zusammen. Der Mann arbeitet als Therapeut und will seine Frau selbst behandeln. Gemeinsam fahren sie zu einer einsamen Waldhütte im „Garten Eden“. Die Frau soll sich dort ihren Ängsten stellen und ihre Trauer verdrängen. Der Heilungsversuch schlägt jedoch fehl, das Paar verstrickt sich immer mehr in Verzweiflung und Selbsthass. Immer tiefer versinken beide Personen in einem Teufelskreis aus Sex und Gewalt, der ziemlich schnell lebensbedrohliche Züge annimmt.

Bereits in der stimmungsvollen schwarz-weißen Eröffnungsszene wird die verstörende Wucht des neuen Films des dänischen Regisseurs Lars von Trier erkennbar. Hilflos muss der Zuschauer in Zeitlupe den Sprung des kleinen Kindes aus dem Fenster miterleben, eine Szene die stilistisch einem Albtraum gleicht. Währenddessen geben sich die Hauptprotagonisten einer fast pornographischen Sexszene hin, die den inneren Zusammenhang zwischen Sexualität und Tod bzw. Zeugung und Sterben verdeutlicht. Lars von Trier schuf seinen Film „Antichrist“ während er selbst unter Depressionen litt. Die filmische Darstellung entspricht daher sehr den eigenen Ängsten des Regisseurs. Herausgekommen ist ein polarisierendes und verstörendes Werk, dass zu Recht bei den 62. Filmfestspiele in Cannes mehr Aufmerksamkeit erregte als der neue Tarantino.

Besonders die explizite Darstellung von Sex und Gewalt dürfte leichtbeseitete Zuschauer allzu oft erschrecken. Hierbei verkommt die Gewalt aber nicht zum Selbstzweck, sondern konkretisiert die Natur des Menschen. Der Film erstreckt sich über weite Teile als Symposium über den Menschen und über das natürlich Schlechte in der Natur. Der vermeintliche Garten Eden entpuppt sich immer mehr als zerstörtes Paradies. Ein sprechender Fuchs kündigt das Unheil an, aus einem Nest fällt ein Jungtier und wird später von der eigenen Mutter verschlungen. In höchst verstörenden, aber gleichfalls schönen und beeindruckenden Bildern verwandelt sich die Natur in eine allumgebende Gefahr. Die Frau hat diese Sichtweise längst akzeptiert, aber ihr Mann merkt nicht, was in ihr vorgeht. Bereits bei ihrem letzten Besuch in der Hütte hatte sie Nachforschungen in alten, kirchlichen Texten angestellt und ist nun von der bösen Natur der Frau überzeugt. Als die Frau erkennt, dass sie nicht von den Schrecken ihrer eigenen Natur fliehen kann, beginnt sie, offensiv dagegen vorzugehen.

„Antichrist“ verstört. Immer wieder tauchen okkulte Symbole am Rande des Geschehens auf. Im Endeffekt bleibt der Film jedoch ein Kunstwerk über Verlust, Depression und Bindungsängste. So wird im Verlauf des Filmes deutlich, dass die Frau bereits früh das Gefühl hatte, dass sich ihr Kind und ihr Mann von ihr entfernen würden. Bereits früh hatte sie ihr Kind misshandelt. Lars von Trier verarbeitet darin sein verstörendes Frauenbild und stellt sein Werk auch in einen Kontext mit der Gewalt und dem Hass gegenüber Frauen, am Ende bleibt jedoch unklar inwieweit sie eine Gefahr für das Kind war. Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe spielen die Rollen richtig intensiv und besonders im Finale wird die schauspielerische Klasse beider Personen erkennbar.

Zusammenfassend ist „Antichrist“ ein verstörender Trip durch großartige Bildwelten und zugleich ein aufwendiges Autorenkino. Sicherlich ist dieser Film schwere Kost und man sollte ihn sich möglichst oft anschauen. Lars von Trier liefert uns jedoch auch ein filmisch herausragendes Werk, dass der Hölle auf Erden ein Kunstwerk setzt. Im Finale kommen die zerstörerischen Ängste des Menschen zum Vorschein, angetrieben von Depressionen und Verlustängsten versucht die Frau die Natur in der Form der Männlichkeit ihres Mannes und ihrer eigenen Weiblichkeit zu bekämpfen. Die Natur als Gegenspieler gegen die Menschlichkeit. Ein starkes Stück Film. Empfehlenswert.

Fazit: Antichrist ist ein verstörender, intensiver und zugleich herausragender Film über die menschliche Natur.

Daher

Meine Wertung: 5/5

Antichrist, Dänemark, Deutschland 2009; Regisseur: Lars von Trier; mit: Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg; FSK: 18

Trailer:

Splice – Das Genexperiment

Clive (Adrien Brody) und Elsa (Sarah Polley) gehören zu den Vorreitern in der modernen Gentechnik. Zu ihrem Spezialgebiet gehört die Kreuzung mehrerer Tierarten zur Erschaffung neuer Nutztiere für die Medikamentenproduktion. Nachdem zwei klumpemförmige neue Lebewesen erschaffen wurden, wollen die zwei Wissenschaftler endlich auch Menschengene einsetzen. Dies stößt bei ihrem Arbeitgeber, dem Pharmaunternehmen N.E.R.D., jedoch aus moralischen Gründen auf Ablehnung. Kurzerhand starten sie trotzdem einen eigenen Versuch und lassen das Wesen im Labor unbeobachtet wachsen. Clive will das Wesen töten, doch Elsa weigert sich. Das Wesen wächst rasant und erhält deutliche menschliche Züge. Die vermeintlichen Ersatzeltern geben ihm den Namen Dren (Delphine Chanéac). Doch mit zunehmendem Wachstum wachsen auch die Probleme. Dren beginnt ihren eigenen Willen zu entwickeln und kann von den Wissenschaftlern bald nicht mehr kontrolliert werden.

Regisseur Vincenzo Natali, bekannt bei Insidern unter anderem durch seine Filme „Cube“ und „Cypher“, liefert uns mit „Splice“ einen Thriller über Moral und Tücken der Gentechnik. Wer nach dem reißerischen Trailer einen waschechten Horrorfilm und Splatter wie „Species“ erwartet, dürfte enttäuscht werden. Natali orientiert sich zwar deutlich am klassischen Monsterfilm, schuff aber vielmehr ein intelligentes und intensives Kammerspiel zwischen den einzelnen Protagonisten, welches besser als Drama funktioniert. Technisch bewegt sich der Film auf einem ziemlich hohem Niveau. Die Effekte und die Kreaturenentwicklung sind gelungen, das Set und die Beleuchtung sorgen für die richtige Atmosphäre.

Adrien Brody und Sarah Polley spielen das Wissenschaftlerpärchen überaus überzeugen. Dies ist auch nötig, da der Film ansonsten bei der Vielzahl skurriler Szenen ins Lächerliche abgerutscht wäre. Die beiden Wissenschaftler merken im Verlauf der Story ziemlich schnell, dass sie mit der Erschaffung von Dren eine Grenze überschritten haben, die jenseits der eigenen Moralvorstellung liegt. Dabei setzt der ganzen Film mehr auf die psychologischen Beweggründe der beiden Protagonisten, als auf Schockeffekte und Blut. Die Gentechnik wird in einen Kontext mit der Moral des Menschen gesetzt. Natali fertigte seinen Film als Plädoyer gegen die gottähnliche Machtstellung mancher Wissenschaftler, die Embryos und Klon-Schafe in Reagenzgläsern heranzüchten. Die Risiken der Gentechnik für die menschliche Spezies müsste mit den Nutzen, also z.B. mit der Medikamentenerzeugung verglichen werden. Eine Thematik, die auch hierzulande, nicht zuletzt durch grüne Gentechnik auf den Feldern und durch Patente auf Lebewesen immer wieder für Sprengstoff in den Medien sorgt.

Durch seine realistischen Hintergründe gewinnt der Film an Intensität. Das menschliche Genom ist entschlüsselt. Tiere werden bereits seit einigen Jahre geklont. Man darf sich somit fragen, wann der nächste Schritt folgt. Natali liefert als Kritiker dieser Entwicklung ein unumstößliches, heftiges Ende ab, dass zeigen soll, dass wir die Gentechnik längst nicht mehr kontrollieren können. Als Dren immer schneller heranwächst, nehmen Elsa und Clive ihre Schöpfung aus dem Labor und verstecken sie auf einer abgelegenen Farm. Doch Dren wird unumgänglich erwachsen, will endlich raus in die Welt, beginnt sogar die Geschlechtsreife zu entwickeln und umgarnt Clive. Auch Elsa hat ihre ganz eigenen Motive. Der geneigte Filmfan kann das Ende vorhersehen.

„Splice“ ist eine intensive und dunkle Vision der Wissenschaft. Über weite Strecken packend inszeniert, lässt alleinig das Finale ein wenig zu wünschen übrig. Der Rest ist angenehm innovativ gelungen und macht aus Natalis neuem Film einen rundum gelungenen Beitrag. Fern von Splattern wie „Species“ oder „Re-Animator“ siedelt sich „Splice“ im Bereich eines ernsthaften Horrordramas an. Mit der starken Besetzung durch Oscarpreisträger Adrien Brody wirkt der Film zudem glaubhaft. Einige Längen und das konventionelle Ende verhindern jedoch eine noch höhere Wertung.

Fazit: „Splice“ ist ein düsterer und intensiver Beitrag zur Gentechnik-Debatte. Fern von Horrorreißern liefert uns Vincenzo Natali ein beklemmendes und empfehlenswertes Horrordrama.

Daher

Meine Wertung: 3,5/5

Splice, Frankreich/Kanada 2009, Regie: Vincenzo Natali; mit: Sarah Polley, Adrien Brody, Delphine Chanéac, David Hewlett, Brandon McGibbon

Trailer:

The Final Storm

Uwe Boll ist vielleicht der umstrittenste Regisseur unserer Zeit. Dabei darf man unserem Mann in Hollywood aber nicht den Mut absprechen, interessante und aufwendige Themen anzupacken. Nach dem beachtlichen Tunnel Rats widmet sich Boll nun auch kritischen Projekten wie Darfur oder Siegburg. Nach unzähligen Videospielverfilmungen konzentriert sich Boll nun endlich auf das Wesentliche. Unterhaltsame Filme mit kleinem Budget statt Blockbuster von der Stange. Auch „The Final Storm“ fällt in diese Kategorie. Boll widmet sich in diesem Film seiner Vision des Weltuntergangs.

Die Familie Grady, bestehend aus Tom, seiner Frau Gillian und Sohn Graham, bewohnt eine weit abgelegene Farm. Auf der Welt häufen sich die Anzeichen auf das bevorstehende Unglück: Ein Erdbeben sucht London heim, in Russland explodiert ein Reaktor, die Menschen reagieren mit Panik. Von diesen Ereignissen erfährt die junge Familien nur am Fernseher. Doch alsbald sucht ein schweres Unwetter die Farm heim und der Mond färbt sich blutrot. In dieser düsteren Stimmung sucht ein Fremder mit dem Namen Silias (Luke Perry) eine Unterkunft bis das Gewitter vorüber ist. Trotz anfänglicher Skepsis lassen Tom und Gillian ihn ins Haus. Der Fremde predigt vom Weltuntergang, doch Tom will dies nicht glauben und versucht der Sache auf den Grund zu gehen. Als die Familien merkt, in welcher Gefahr sie sich befindet, entbrennt der mörderische Showdown.

„The Final Storm“ beginnt durchweg unterhaltsam. Der mysteriöse Fremde, der von Luke Perry auch überzeugend gespielt wird, baut eine kontinuierliche Spannung auf. Man weiß nicht, inwiefern Silias eine Rolle bei der bevorstehenden Apokalypse spielt oder was seine wahren Absichten sind. Dazu gesellen sich mystery-typische Elemente. Die Nachbarn sind weg, die Stadt ist bis auf ein paar Randalierer menschenleer und die Tiere sind verschwunden. Die dunkle Grundstimmung lässt sogar darüber hinwegsehen, dass Lauren Holly und Steve Bacic als Ehepaar Grady eigentlich überhaupt nicht zusammenpassen. Bezeichnend dafür steht eine ziemlich lahme Bettszene zu Beginn des Filmes. Trotz dieses Mankos gestaltet sich das Psychospiel zwischen Silias und Tom durchweg unterhaltsam.

Leider kann der Film den guten ersten Eindruck nicht bestätigen. Im weiteren Verlauf schleichen sich viele Längen ein und die Handlung plätschert nur noch vor sich hin. Die Thematik des Weltuntergang tritt zurück und ist im Verlauf lediglich der Nährboden für einen Psychothriller. Hierbei verspielt „The Final Storm“ viele anfängliche Pluspunkte. Es wird nicht erklärt, wieso die Welt untergeht und was mit den Menschen im Ort geschehen ist, die Story konzentriert sich hingegen alleinig auf das Duell zwischen Silias und Tom und es entsteht ein konventionellen Thrill mit mystischen Beigeschmack. Die Spannung geht über die Distanz des Filmes flöten, nur das Ende ist noch überraschend. Als der Zuschauer alle Hoffnung auf eine weitere Erklärung des Weltuntergangs aufgibt, setzt Boll noch einen oben drauf und beschert uns ein äußert offenes Ende. Retten kann dies den Film aber freilich nicht mehr.

„The Final Storm“ ist unter dem Strich nicht mehr als ein gut gemeinter Versuch, Elemente des Psychothrillers mit mystischem Touch zu kombinieren. Die Story verliert leider an Fahrt, als sich der Film immer mehr alleinig auf das Duell zwischen Tom und Silias konzentriert. Einige gute Ideen in der Story gehen leider in der Filmlänge verloren. Der Psychokrieg zwischen den Hauptprotagonisten kann zwar über weite Strecken unterhalten, jedoch fehlt es an überraschenden Momenten und auch an der Action. Besonders im Mittelteil fehlen einfach Konfrontationen und Überraschungen, um den Zuschauer weiter an den Film zu fesseln. Bolls neuer Film ist leider nur unterdurchschnittliche Thrillerkost. Eine höhere Fokussierung auf die Mystery-Elemente hätte dem Film über die vielen Längen hinweggeholfen.

Fazit: Durchschnittlich spannender Thriller mit mystischem Beigeschmack.

Daher:

Meine Wertung: 2/5

The Final Storm, Kanada/Deutschland 2009, Regisseur: Uwe Boll; mit: Luke Perry, Lauren Holly, Steve Bacic, Cole Heppell, Blu Mankuma

Trailer:

[REC] 2 – Der Horror ist zurück

2008 schufen die jungen spanischen Regisseure Jaume Balagueró und Paco Plaza mit [REC] einen echten Horrohit und brachten somit das gesamte Genre in Aufruhr. Mit einer Handkamera bewaffnet liefen junge Leute in einem großen Gebäude vor hungrigen Zombies davon. Das Konzept war ebenso einfach wie innovativ. So dauerte es auch nicht lange, bis Hollywood mit „Quarantäne“ seine Adaption des Stoffes auf die Leinwand brachte. Aber auch eine Fortsetzung des Originals war nach dem Erfolg zwingend notwendig, weshalb Jaume Balagueró und Paco Plaza wieder auf dem Regiestuhl für [REC]2 Platz genommen haben.

[REC]2 setzt geschichtlich unmittelbar dort an, wo Teil 1 aufhörte. 70 Minuten sind seit der Geschichte des ersten Teils vergangen. Das Kamerateam, die Feuerwehr und die Bewohner des ersten Teils sind irgendwo in dem Gebäude entweder tot oder verschollen. Eine Polizeisondereinheit soll nun das hermetisch abgeriegelte Gebäude betreten und mit der Hilfe des Mediziners Dr. Owen (Jonathan Mellor) ein Gegenmittel gegen die Seuche finden, bevor diese sich verbreiten kann. Doch was die Truppe in dem Haus vorfindet, übersteigt jede Vorstellungskraft.

Vorallem der Stil des ersten Teils wurde von den beiden Regisseuren weitergeführt. Wer also Probleme mit Wackelkameras hat, der sollte um [REC]2 einen großen Bogen machen. Diese Idee wird in Teil 2 sogar noch verfeinert, das SWAT-Team hat Helmkameras und so kann munter zwischen einzelnen Perspektiven gesprungen werden und wirklich alles aus der Nähe gezeigt werden. Kombiniert wird dies im zweiten Teil mit einer weitergehenden inhaltlichen Tiefe. War im ersten Teil noch unklar, woher das Virus kommt und wieso plötzlich alle zu Zombies werden und sich gegenseitig auffressen wollen, liefert uns die Story in Teil 2 die ersten Erklärungen. Neu ist auch, dass mehrere Handlungsstränge parallel verlaufen, so sehen wir neben dem SWAT-Team auch eine Gruppe Jugendlicher, die sich aus Neugierde ins Haus schleicht.

Jaume Balagueró und Paco Plaza gelingt es, die Achterbahnfahrt der Angst, die bereits im ersten Teil durch geringe Licht- und Schatteneffekte und eine außergewöhnliche Geräuschkulisse hervorragend transportiert wurde, 1:1 in den zweiten Teil zu überführen. Wieder wird sich der geneigte Zuschauer bei der ein oder anderen Szene in den Sessel pressen, die 85 Minuten Laufzeit sind einfach höllisch spannend. Die Figuren hingegen bleiben blass, das SWAT-Team ist unter den Helmen vergraben, wenn sie nicht gerade von Zombies gefuttert werden. Lediglich Dr. Owen als zwielichtiger Charakter sticht heraus. Dies hat in Teil 1 mit den skurrilen Bewohnern des Hauses besser funktioniert. Aber wenn man die Sache ehrlich betrachtet, kommt es in einem solchen Film auch nicht unbedingt auf die Charakterzeichnung an, der Film ist trotzdem extrem packend.

Im Vordergrund des zweiten Teils stehen die Mysterien um Niña Medeiros. Die Story macht einige überraschende Wendungen, die Medienkritik des ersten Teils steckt dementsprechend zurück. Trotzdem ist [REC]2 ein überaus unterhaltsamer und packender Film geworden, den man jedem Horrorfan ans Herz legen darf. Den Vergleich zum ersten Teil muss dieser Film nicht scheuen. Die Regisseuren werkeln nach dem anhaltenden Erfolg bereits an einem weiteren Sequel und an einem Prequel, man darf also gespannt sein, wie die Geschichte weitergeht.

Fazit: [REC]2 ist eine höllisch spannende Achterbahnfahrt der Angst. Für Horrorfans nach dem ersten Teil ohnehin ein Muss.

Daher :

Meine Wertung: 4/5

[REC] 2 , Spanien 2009, Regie: Jaume Balagueró und Paco Plaza, FSK 16

Trailer: